Mit einer Europäischen Datenstrategie allein ist es nicht getan

Zunächst einmal: Ich bin froh, dass die Europäische Kommission sich auf den Weg gemacht hat, Digitalisierung konkret nach vorne zu bringen, es ist auch höchste Zeit. Bisher spielt Europa nur als Markt eine Rolle. Unternehmen, Innovationen und Gewinne befinden sich mit erschreckender Dominanz in den USA und auch immer mehr in China.

Daher ist es richtig, ein Bewusstsein für die richtige Herangehensweise an die Themen Digitalisierung, KI und Daten zu entwickeln. Die Kommission hat hier einen wichtigen Beitrag geleistet.

Doch was bedeutet das jetzt konkret? Die Rede ist unter anderem von datengetriebenen Geschäftsmodellen, einem gemeinsamen Datenbinnenmarkt und nicht zuletzt soll KI (Künstliche Intelligenz) eine zentrale Rolle in der sehr nahen Zukunft der Europäer spielen. Selbstredend wird die Kommission zur Umsetzung der eigenen Roadmap nicht unerhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Aktuell werden 20 Milliarden Euro allein für die KI-Forschung angesetzt.

Gut, einen Plan gibt es nun – das allein wird aber nicht reichen. Wir müssen auch tatsächlich einfach raus aus der Gedankenwelt und uns anstatt mit der Theorie viel mehr mit den praktischen Aspekten auseinandersetzen. Es hilft, wenn wir bei den genannten Schlagworten nicht sofort vorgefertigte Bilder bedienen. KI ist nicht das smarte Thermostat, dass uns als solches verkauft wird, wenngleich es Teil eines Gesamtkonzeptes sein kann. Es wird sehr viel über KI geredet und geschrieben, wir meinen aber oft nicht dasselbe. Meine Erkenntnis aus vielen Podiumsdiskussionen und Gesprächen ist, dass in den überwiegenden Fällen der Begriff IT durch das Kürzel KI ersetzt wird. Die Beispiele beziehen sich dann aber beinahe alle auf normale Prozesssteuerung mit Entscheidungen auf fixen Werten und fest definierten Soll- und Stellgrößen.

Nehmen wir grünen Strom im Zusammenhang mit der Digitalisierung als Beispiel. Der Strom aus regenerativen Energien wird nur dann effizient genutzt, wenn er zum Zeitpunkt der Erzeugung ohne Umleitung in Speicherlösungen oder gar Einspeisung ins Netz verbraucht wird. Konkret heißt das, dass eine Waschmaschine mit einem Waschprogramm von zwei Stunden in einem solarversorgten Haus nicht in der Nacht laufen sollte, und so der Strom aus dem Batteriespeicher verbraucht wird. Die Batterien haben nur eine begrenzte Lebensdauer, sodass die Anzahl in Lade-/Entladezyklen optimiert werden muss. Folglich ist es besser, wenn der Start auf Basis von lokalen Wetterdaten und -prognosen mittels KI dann erfolgt, wenn die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass in den kommenden zwei Stunden ausreichend Sonneneinstrahlung einwirkt, um den Strombedarf des Hauses inklusive Betrieb der Waschmaschine zu decken.

Wir müssen an den Punkt kommen, neben einer gemeinsamen Strategie auch eine gemeinsame Sprache zu finden. Die Möglichkeiten, die sich in den nächsten Jahren ergeben, können sich heute noch die wenigsten ausmalen. Die Potenziale sind enorm und werden unsere Art und Weise zu leben nachhaltig verändern – und zwar in allen Bereichen.

Die Europäische Kommission hat nun auch identifiziert, dass wir gegenüber China und den USA inzwischen in den Bereichen KI und Digitalisierung einen ordentlichen Rückstand haben. Nun heißt es, die oft sehr guten Ideen auf die Straße zu bringen. Wir haben Lösungen für eine bessere Gesundheitsversorgung, effizientere Mobilität, ressourcenschonendes Wohnen und vieles mehr entwickelt, das muss jetzt in die Tat umgesetzt werden.

Wir Europäer haben schlicht nicht mehr die Zeit, jedes Für und Wider bis ins kleinste Detail zu diskutieren. Und vor allem bitte kein: „Das geht aus Datenschutzgründen nicht“. Einen quälend langen Prozess wie bei der Einführung der Telematikinfrastruktur können wir uns nicht noch einmal leisten. Der Rest der Welt wartet nicht.

Das Dokument zum Download gibt es hier.